Stoppen, Merken, Umstellen, Planen - Exekutive Funktionen bei Kindern mit ADHS fördern

Dr. phil. Barbara Ritter, Neuropsychologin

Unter exekutiven Funktionen werden geistige Steuer- und Kontrollfunktionen verstanden, die es uns Menschen ermöglichen, unser Verhalten gezielt der Umgebung anzupassen und bestmöglich zurechtzukommen. Beispiele für exekutive Funktionen sind Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis, Flexibilität und Planen. Diese Funktionen entwickeln sich während der Kindheit relativ spät und erreichen erst im Alter von ungefähr 25 Jahren ihren Leistungsgipfel. Gute exekutive Funktionen helfen Kindern und Jugendlichen während der Entwicklung dabei, mit den komplexer werdenden Anforderungen der Umwelt Schritt zu halten, selbstständig zu werden, schulischen und beruflichen Erfolg zu haben und stabile Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen. Gerade Kinder mit ADHS haben häufig exekutive Schwierigkeiten. Wie lassen sich diese Funktionen im Alltag fördern? Was können Eltern, Lehrpersonen und Therapeuten im Alltag tun, damit das Kind besser lernt, sich zu stoppen, Informationen im Kopf zu behalten, flexibel zu sein und vorauszuplanen? Welche Aktivitäten sind für die Reifung der exekutiven Funktionen besonders förderlich?


Schulische Integration und ADHS

 

Dr. phil. Monika Brunsting, Fachpsychologin für Psychotherapie, Sonderpädagogin 

Wie können Schülerinnen und Schüler mit ADHS schulisch möglichst gut integriert werden? Was kann ihnen dabei helfen? Was können sie dafür tun? Dies sind die Ausgangsfragen, anhand derer wir uns Gedanken machen zu den Schwierigkeiten einer schulischen Integration von Schülern mit ADHS. Lösungsmöglichkeiten sollen aufgezeigt werden. Dabei werden uns die Neurowissenschaften und die Positive Psychologie interessante Wege aufzeigen. Förderung, Erziehung, Schulung und Nachteilsausgleich sind ein paar Stichworte, auf die wir dabei stossen werden.

Stress und Belastungsbewältigung bei Eltern von Kindern und Jugendlichen mit ADHS

Dr. phil Barbara Gabriel, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP

Der Stand der Forschung verweist klar auf ein erhöhtes Stresserleben bei Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einem ADHS. Dieser erhöhte familiäre Stress kann sich im Sinne eines Teufelskreises negative auf das Befinden der Eltern sowie der Kinder, auf die Eltern-Kind-Beziehung sowie auf die elterliche Partnerschaft auswirken. Um diese ungünstigen Dynamiken in der Familien abzufangen, und das Wohlbefinden von der Familie zu stärken, befassten sich neueste Untersuchungen vermehrt mit der Frage wie können Eltern im Umgang mit den erhöhten Belastungen unterstützt werden. Es zeigte sich, dass neben den eigenen Belastungsbewältigungskompetenzen und der sozialen Unterstützung durch das Umfeld gerade die partnerschaftliche Unterstützung eine wichtige Rolle spielt. Das Referat beinhaltet, neben einer kurzen Definition von Stress und Belastungsbewältigung, das Stresserleben und der Einfluss der elterlichen Stressbewältigung bei Eltern von Kindern mit einem ADHS sowie dessen Auswirkungen auf die Familie. In einem weiteren Schritt werden mögliche Interventionsschritte und Unterstützungsangebote zur Verbesserung der elterlichen Stressbewältigung diskutiert.

Trauma und ADHS

Cordula Neuhaus, Heilpädagogin, Psychologin und Autorin 

Betroffene mit ADHS erinnern vorwiegen über Bilder und haben leider keine „innere Bremse“ für ihre Gefühle. Beim „Syndrom der Extreme“ kommen entsprechend heftig schmerzliche Bilder im primären visuellen Kortex an, wenn man z. B. bloß gestellt oder „vorgeführt wir, „ertappt“ wird, wenn man gerade mal wieder nicht bei der Sache ist, dann regelrecht blockiert auch nichts „Brauchbares“ abrufen kann. Der 52-jährige bekommt plötzliche eine Panikattacke, als er einen ihm unbekannten Text in der Gemeinde vorlesen muss, wie ihn das Gesicht einer Person in der ersten Reihe urplötzlich „unbewusst“ an eine Situation erinnert, in der er im Vorschulalter plötzlich beim Gedichtvorsagen hängen blieb. Nur mit profundem Störungsbildteaching und unter Umständen speziellen Strategien (auch des Umgehens oder Vermeidens!) ist es möglich, damit umzugehen – klassische Interventionen wie Konfrontationstherapien, aber auch Entspannungstechniken, Achtsamkeitstraining etc. wirken nicht.

xeiro ag